Pischelsdorf, 6. Juli 2016

Presseinformation
Wirtschaft 4.0: Chancen der Vernetzung nutzen

Drei Viertel der befragten Unternehmen aus Niederösterreich sagen laut einer aktuellen Studie, dass Industrie 4.0 eine hohe oder sehr hohe Bedeutung für die produzierende Wirtschaft habe. Konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Betriebe wurden aus den Studienergebnissen abgeleitet.

Das Land Niederösterreich, die Wirtschaftskammer Niederösterreich sowie die Industriellenvereinigung Niederösterreich haben gemeinsam eine Studie zu den „Einfluss- und Erfolgsfaktoren von Industrie 4.0 für den Standort NÖ“ in Auftrag gegeben. Basierend auf diesen Studienergebnissen sollen die Unternehmen bei den Veränderungen durch die Digitalisierung der Produktions- Wertschöpfungsprozesse bestmöglich unterstützt werden.

Im Kern der Studie wurden vier Themenfelder identifiziert: Information & Vernetzung, Bildung, Forschung und Standortrahmenbedingungen. Für jedes dieser Felder wurden konkrete Handlungslinien und Maßnahmenvorschläge zur Unterstützung der Betriebe formuliert, die in die Plane der NÖ Landesregierung eingebracht werden.

Lefenda: „Aus- und Weiterbildung gewinnt an Bedeutung“

„Knapp drei Viertel der befragten Unternehmen setzen sich mit Industrie 4.0 auseinander – ebenso viele sind der Ansicht, dass Industrie 4.0 eine hohe oder sehr hohe Bedeutung für die Zukunft der produzierenden Wirtschaft haben wird“, sagt Studienautor Dr. Johann Lefenda von der Pöchhacker Innovation Consulting GmbH. Und die Studie bestätige einmal mehr, so Lefenda, dass die Aus- und Weiterbildung mit dem zunehmenden Einsatz von Wirtschaft 4.0 an Bedeutung gewinnen wird. Dies erfordert die Verfügbarkeit von entsprechend qualifizierten Fachkräften in Niederösterreich.

Bohuslav: „Thema für Unternehmen egal welcher Branche und Größe“

„Wir haben bemerkt, dass das Thema ‚Industrie 4.0‘ für einige Unternehmen eine zum Teil irreführende Bezeichnung ist. Es wird zu vorschnell darauf geschlossen, dass nur große, innovative und Hightech-Unternehmen prädestiniert dafür sind. Das Thema wird jedoch kein Nischenthema für Elite-Betriebe, sondern eine Herausforderung und Chance für die gesamte Wirtschaft sein. Mit Blick auf Niederösterreich ist es mir wichtig, alle Unternehmen – egal welcher Größe und welcher Branche – zu sensibilisieren und ins Boot zu holen, denn gerade für unsere kleineren und mittleren Unternehmen gibt es hier Chancen. Deshalb wird in Niederösterreich der Begriff breiter ausgerollt und für uns wird Industrie 4.0 zu Wirtschaft 4.0“, erklärt Wirtschaftslandesrätin Dr.in Petra Bohuslav.

Zwazl: „Das Wichtigste ist und bleibt der Mensch“

In der Verfügbarkeit von Fachkräften sieht Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl den wichtigsten Standortfaktor: „Das Wichtigste ist und bleibt der Mensch. Das gilt in Zeiten der Digitalisierung mehr als je zuvor. Bei der Weiterbildung in Sachen Digitalisierung ist die Wirtschaftskammer NÖ daher ein starker und verlässlicher Partner. So startet ab Herbst 2016 im WIFI NÖ ein 6-semestriger Lehrgang, der in Zusammenarbeit mit der Steinbeis Hochschule Berlin alle Themenfelder rund um die Digitalisierung abdeckt. Aktuell entwickelt die Sparte Industrie gemeinsam mit dem WIFI ein Spezialausbildungsprogramm zum Thema Industrie 4.0 für die Industrieausbildner. Einen weiteren Schwerpunkt bieten wir im Rahmen unser TIP-Kooperation mit dem Land NÖ an. Die Technologie- und Innovationspartner – kurz TIP – bieten einen geförderten Industrie 4.0-Check an.“

Salzer: „Chancen in Bereich Logistik und zur Steigerung der Produktivität“

„Dank dieser Studie wissen wir, dass viele Unternehmen die Digitalisierung zwar als wesentlichen Zukunftstrend sehen, aber noch nicht wissen, wie sie konkret damit umgehen sollen“ erklärt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV NÖ). Umso wichtiger sei es daher, den Betrieben ihre Chancen durch Industrie 4.0 aufzuzeigen. „Große Vorteile ergeben sich insbesondere in der besseren Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben – etwa im Bereich der Logistik – sowie in der Steigerung der Produktivität und Flexibilität“, meint Salzer.

Bohuslav: „Kein Patentrezept für Wirtschaft 4.0“

Ein Kernergebnis der Studie belegt jedoch auch, dass es kein „Patentrezept für Wirtschaft 4.0“ gibt. „Umso wichtiger ist es, Betriebe zur Entwicklung individueller Strategien zu motivieren und entsprechende Unterstützungsmaßnahmen anzubieten. Schon jetzt werden zahlreiche Initiativen und Maßnahmen gesetzt, um niederösterreichische Unternehmen dabei zu begleiten und zu unterstützen. So gibt es zum Beispiel für entsprechende Investitionen oder Forschungsprojekte Finanzierungshilfen vom Land Niederösterreich, es werden spezifische Fördercalls geboten und für Kooperationen bieten die Cluster Niederösterreich eine optimale Unterstützungsplattform. Die Technopole ermöglichen wiederum technologische Hilfestellungen – beispielsweise bei 3D-Druck von Metallen“, hält Landesrätin Dr.in Bohuslav fest.

Zwazl: „Berufsbilder durchforsten und anpassen“

WKNÖ-Präsidentin Zwazl hob bei der gemeinsamen Pressekonferenz ihre interessenpolitischen Erwartungen hervor: „Für die Digitalisierung müssen wir die technischen Kompetenzen unserer Jugend gezielt fördern. Für die WKNÖ gibt es dazu eine klare Forderung: Physik und Chemie müssen bereits ab den 1. Klassen an den Neuen Mittelschulen (NMS) unterrichtet werden. Überall, wo durch die Digitalisierung Anpassungsbedarf besteht, werden wir auch bei den Berufsbildern nachziehen müssen. Wir müssen diese durchforsten und anpassen. So werden die modularen Lehrberufe noch mehr an Bedeutung gewinnen. Der Sozialpartner wird hier mitziehen müssen. Und die Digitalisierung erfordert Investitionen. Jede Form der Investitionsanreize ist ein Gewinn für unseren Wirtschaftsstandort. In diesem Sinne freue ich mich auf die Umsetzung der angekündigten Neuregelung zur Abschreibung, konkret der degressiven Abschreibung.“

Salzer: „Digitalisierung verlangt moderneres Arbeitszeitgesetz“

Im Bereich der industriellen Fertigung ermögliche die Digitalisierung, noch besser auf Kundenwünsche einzugehen, so Salzer. Die Chancen zur flexibleren Produktion, die die neuen Technologien mit sich bringen, müssten aber auch durch die rechtlichen Rahmenbedingungen ermöglicht werden, wie der IV NÖ-Präsident erklärt: „Wir brauchen dringend eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes. Nur so können wir auch produktionstechnisch auf kurzfristige Aufträge reagieren, dadurch wettbewerbsfähiger werden – und in weiterer Folge Standort und Arbeitsplätze absichern.“

Lefenda: „Schulterschluss in NÖ ist wichtiger Umsetzungshebel“

Auch Studienautor Lefenda bekräftigte, dass es kein Geheimrezept für sämtliche Herausforderungen durch die Digitalisierung gebe. „Umso wichtiger ist es, Unternehmen zur Entwicklung individueller Strategien für Industrie 4.0 zu motivieren und entsprechende Unterstützungsmaßnahmen anzubieten. Der Schulterschluss von Land, WKNÖ und IV ist jedenfalls ein starker Umsetzungshebel – diese enge und strategische Kooperation ist österreichweit einzigartig“, so Lefenda.

Mehr Informationen unter:
http://www.noeindustrie.at/news/industrie-4-0

Rückfragehinweise:
Christoph Fuchs, Büro Landesrätin Dr.in Petra Bohuslav
Telefon: 02742/9005-12322, c.fuchs@noel.gv.at

Gerti Süss, M.A., Öffentlichkeitsarbeit Industriellenvereinigung Niederösterreich
Telefon: 01/171135-2445, g.suess@iv-net.at

DI (FH) Bernhard Tröstl, Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich
Telefon: 02742/851-19240, bernhard.troestl@wknoe.at